Thomas Dörflein ist tot. Er verstarb gestern Mittag im Alter von nur 44 Jahren in einer Berliner Wohnung.
Der zurückhaltende, fast scheue Tierpfleger gab dem berühmtesten Eisbären der Welt nicht nur seinen Namen, sondern kümmerte sich auch fünf Monate lang rund um die Uhr um die Aufzucht, nachdem seine leibliche Mutter Tosca ihn verstoßen hatte. Sogar Weihnachten und Silvester feierte er mit seiner Lebensgefährtin und deren Sohn bei Knut im Zoo.
Knut, der inzwischen fast zwei Jahre alt ist, verliert durch den tragischen und viel zu frühen Tot von Thomas Dörflein seine Mutter und seinen Vater in einer Person. Auch nach Ende der berühmten „Knut-Shows“ kümmerte sich Dörflein täglich mehrere Stunden hinter den Kulissen um seinen Zögling, mit dem ihn eine ganz besondere Beziehung verband.
Bewundernswert ist, dass Thomas Dörflein nie kommerzielle Interessen an der Aufzucht des kleinen Eisbären hatte, oder gar damit berühmt werden wollte. Einladungen in Fernsehshows lehnte er ab, ein Buch wollte er nicht schreiben und die große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war ihm eher unangenehm.
Er beschrieb sich selbst als ruhigen, verschlossenen Einzelgänger, und war der Ansicht, dass gerade diese Eigenschaft ausschlaggebend für das harmonische Verhältnis zwischen ihm und Knut gewesen sei. Weder Knut habe vermenschlicht werden müssen, noch habe er einen Bären gespielt. Sie seien sich einfach von Natur aus sehr ähnlich gewesen. „Wir haben uns gesucht und gefunden.“, sagte der bescheidene Ziehvater, der auf seine Leistung nicht stolz war. „Da ist einfach viel Glück dabei“.
Thomas Dörfleins Tot ist ein herber Verlust für Knut, für den Zoo, für die Tierwelt und nicht zuletzt für die Menschheit.